Was ist ein Lernblog?

Ein Lernblog ist eine persönliche Website, auf der eine Person laufend notiert, was sie entdeckt oder im Leben lernt. Er bietet Platz für Projekte, für unfertige Ideen, für Dinge, die gelungen sind und auch solche, die nicht funktioniert haben. Ein Lernblog ist Reflexion und Kommunikation. Er kann verwendet werden als Einzelperson oder in lernenden Organisationen. Durch Vernetzung entsteht Kollaboration und das Lernen wird grösser und bunter.

Lebenslanges Lernen

Lernen ist eigentlich genial und schön. Leider haben nicht wenige von uns negative Erfahrungen damit gemacht. Das heisst, wir müssen zuerst das Lernen für uns neu entdecken. Wichtig ist dabei, dass wir für uns lernen - egal ob in, wegen oder trotz der Schule. Es geht um unser Leben und zwar um unser “lebenslanges” Lernen.

Was passt in einen Lernblog?

In einen Lernblog passt alles Mögliche und Unmögliche, auch wenn es (auf den ersten Blick) nichts mit Lernen zu tun hat. Ein Lernblog ist zuerst ein ganz normaler Blog und so hat jeder Blogeintrag - wie in Blogs üblich - ein Datum. Schon das Datum eines Eintrages drückt aus, dass es Gedanken sind, die jemand an diesem Tag hat und sie deshalb nicht endgültig sein müssen. Die Gedanken können schon bald wieder durch neue Gedanken in einem neuen Eintrag abgelöst werden. Somit ist Lernen immer mit dabei.

Lernen sichtbar machen

Lernen geschieht oft im Verborgenen. Wenn wir das, was wir erleben - wie in einem Tagebuch - festhalten, dann wird Fortschritt und Lernen sichtbar. Das Erreichte zu betrachten macht Freude und gibt Mut, dran zu bleiben.

Der Nutzen und die Freude wird umso grösser, wenn es mit anderen geteilt werden kann. Dafür braucht es auch einen öffentlichen Zugang.

Öffentlicher Webauftritt

Ein geschlossenes System, worauf nur schul- oder organisationsinterne Personen Zugriff haben, ist nicht zeitgemäss und auch etwas langweilig. Wenn man weiss, dass etwas für ein grösseres Publikum verfügbar ist, ist man oft motivierter, den Aufwand dafür zu betreiben. So weiss man auch, dass man einem erweiterten Publikum einen Link zur Seite schicken kann. Und wer weiss, vielleicht hilft es mal jemand anderem in seinem Leben oder Lernen.

Die eigene Adresse im Web

Natürlich könnte man für alle eine Unter-Adresse (Subdomain) einer Schule oder Organisation einrichten, z.B. https://marcojakob.bwdbern.ch. Das lässt sich aber nicht vereinbaren mit dem lebenslangen Lernen. Denn sobald jemand die Schule oder Organisation verlässt, passt diese Adresse nicht mehr. Jede Person sollte aber den persönlichen Lernblog auch längerfristig weiterführen können.

Deshalb ist es zentral, dass jede Person einen eigenen Domainnamen reserviert und dort den Lernblog aufschaltet. Wir empfehlen hier, den eigenen Namen zu verwenden. Ein Kunst- oder Spitzname könnte man nach ein paar Jahren doof finden. Er könnte auch unpassend sein, wenn man Teile vom Lernblog einem zukünftigen Arbeitgeber schicken möchte.

  • Empfohlen: www.vornamenachname.ch (oder andere Endungen wie .de, .at, .com, .blog). Möglichst ohne Trennzeichen wie -.
  • Alternative: Bei langen oder komplizierten Namen evtl. den Vor- oder Nachnamen abkürzen.

Ownership - Kontrolle übernehmen

Mit einem Lernblog unter eigener Adresse kann jede*r seine eigene Geschichte erzählen (Stichwort “own your content”). Wenn man die Domain selber kauft, dann kann man hinzufügen, ändern und löschen, wie man möchte. Die Kontrolle liegt damit klar bei der Autorin oder beim Autor selbst und nicht bei einer Schule, dem Arbeitgeber oder einer Organisation. Dies ist offensichtlich viel besser, als wenn man seine kreativen Inhalte an grosse Social Media Firmen abgibt, die damit machen können, was sie wollen (meist Geld verdienen).

Es geht aber um mehr, nämlich darum, dass wir alle beginnen, Verantwortung zu übernehmen für unser lebenslanges Lernen und die Möglichkeiten des Internets nutzen. So können wir aktiv werden in unserem Netzwerk und die Welt um uns herum mitprägen.

Nutzen eines Lernblogs

Welchen Nutzen bietet ein persönlicher Lernblog?

Für sich selbst

Zuallererst schreibt man einen Lernblog für sich selbst. Es macht also sogar Sinn, wenn der Blog von niemandem gelesen würde.

Man nimmt sich Zeit, über etwas vertieft nachzudenken und es in eigener Form auszudrücken. Das können neben Texten auch Bilder oder Videos sein. Natürlich braucht das Arbeit, lohnt sich aber allemal.

Wer dies regelmässig tut, baut einen reichen Schatz auf. Es wird öfter vorkommen, dass man seine eigenen Blogeinträge wieder hervorholt, um etwas nachzuschauen oder um ein Bild oder einen Link wieder zu finden.

Alleine das Zurückschauen über die Blogeinträge motiviert. Weil nur so wird überhaupt erst sichtbar, welchen (Lern-)Weg man schon zurückgelegt hat.

Ganz nebenbei lernt man viel über den Umgang mit digitalen Technologien.

Für die Karriere

Der Lernblog macht auch fit für die Arbeitswelt. Wenn die Erwartungen eintreffen über die zukünftig stärker geforderten Kompetenzen (was sie zum Teil jetzt schon tun), dann wird ein traditionelles Zeugnis mit Fächern und Noten immer unbedeutender für Arbeitgeber. Ein attraktives Portfolio in Form eines Lernblogs kann in diesem Fall viel aussagekräftiger sein.

Das gilt übrigens nicht nur für Schüler*innen, sondern auch für Lehrpersonen und für Personen, welche aktuell eine (sicher geglaubte) Anstellung haben. Egal in welcher Situation man ist, ist es eine Möglichkeit, sich selber zu bilden, seine Erkenntnisse und Projekte festzuhalten und sich so in seiner Karriere weiter zu entwickeln.

Für Selbständigkeit und kreatives Unternehmertum

Wer gelernt hat, sein Lernen selbstbestimmt zu organisieren und den eigenen Lernblog angereichert hat mit mehr als dem Minimum, was in einer Schule gefordert wird, der erwirbt auf dem Weg auch mehr von dem, was man “Entrepreneurship-Kompetenz” nennen kann. Es ebnet den Weg in die persönliche und unternehmerische Selbständigkeit.

Für ein Publikum

Lernblog-Einträge schreibt man nicht nur für sich sondern auch für andere. Es ist eben nicht nur ein Tagebuch. Man hat ein Publikum vor Augen. Die geteilten Inhalte können diskutiert werden und so kann man voneinander lernen, aufeinander Bezug nehmen, Einträge verlinken und kommentieren. Damit wird das Leben und Lernen sozialer.

Für Organisationen

Wenn Personen innerhalb einer Schule oder Mitarbeiter einer Unternehmung über ihre (Lern-)Erlebnisse in einem Blog berichten, dann hat das positive Auswirkungen für die Organisation selbst. Eine Organisation wird attraktiver in der öffentlichen Wahrnehmung, wenn sie ihren Mitgliedern ermöglicht, als authentische und kreative Individuen zu leben und darüber zu berichten.

Auch intern hat eine offene Kommunikation grosse Auswirkungen: Organisationen, in welchen die Erfahrungen von Einzelpersonen und Teams sichtbar gemacht werden, entwickeln sich zu “lernenden Organisationen”. Wenn auch mal Irrwege geteilt werden, dann kommt man zu einer positiven Fehlerkultur und wenn viele einen Zugang zu Information erhalten, so können bessere (oder überhaupt erst) Entscheidungen gefällt werden.

Technische Umsetzung und Kosten

Die meisten Plattformen für eine Website unter eigenem Namen haben bisher mindestens CHF 70 pro Jahr gekostet. Ein Trend zur Vereinfachung hat dazu geführt, dass es heute möglich ist, eine Website zu betreiben für rund CHF 8 pro Jahr! Der Grund ist, dass man nur noch den Domainnamen bezahlt, während der Preis für das Speichern von einfachen Seiten praktisch gratis ist. Mit einem Preis von CHF 8 pro Jahr kommen wir in einen Bereich, wo jemand seinen persönlichen Lernblog auch nach der Schulzeit oder nach der Zeit als Arbeitnehmer einfach weiterlaufen lassen kann.

Es gibt natürlich ein paar Anforderungen: Das Editieren muss sehr einfach sein. Trotzdem sollte es möglich sein, die Website nach eigenen Wünschen zu gestalten und zu erweitern.

Die Lernblog-Vorlage ist zu finden unter Lernblog auf GitHub und ist für alle gratis verfügbar. Wie man es einmalig installiert und mit einem Hosting wie z.B. Netlify verknüpft, braucht aktuell noch etwas Computer-Nerd-Wissen. Sobald es einmal eingerichtet ist, kann man über eine einfache Oberfläche neue Blogeinträge erfassen.

In einem anderen Artikel habe ich die Schritte erklärt, wie man einen Lernblog selber einrichten kann. Je nach dem musst du dir einen “Nerd deines Vertrauens” organisieren oder du meldest dich bei uns.

Lernblog-Plattform - ein Netz von Lernblogs

Oben haben wir vor allem über die individuellen Aspekte von Lernblogs gesprochen. Wenn jede Person unter eigenem Namen ihre eigene Website betreibt, dann sind das zuerst einmal sehr einsame Knoten im weiten Internet. Es wäre sehr schwierig, auch nur schon alle Seiten eines Teams oder einer Schulklasse zu finden, geschweige denn einer ganzen Organisation.

Um das zu verbessern, greifen wir ganz einfach auf Grundformen zurück, wie das Internet schon seit jeher funktioniert: Es sind die Verknüpfungen untereinander mit Links und die Plattformen, welche die neusten und besten Inhalte aus vielen anderen Seiten sammeln und übersichtlich darstellen.

So eine Lernblog-Plattform haben wir entwickelt und betreiben es an ersten Schulen (siehe z.B. bwd Lernblogs). Die Plattform sammelt automatisch alle neusten Einträge der registrierten Mitglieder einer Organisation. So hat man eine eigene “News-Plattform” mit Inhalten, welche nach verschiedenen Kriterien geordnet werden können. Die Besucher können ausserdem “applaudieren” und bald auch Kommentare hinterlassen (noch in Entwicklung).

Darüber hinaus können sich verschiedene Leute journalistisch betätigen und aus der Fülle an Inhalten die hervorheben, welche besonders gelungen sind.

Dein Start?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, so ist es wohl höchste Zeit, das mal selber auszuprobieren. Am besten beginnst du damit, einen digitalen Ordner auf deinem Computer zu erstellen, wo du Ideen, Bilder und Texte (z.B. in Word-Dateien) sammelst. Das sind dann die ersten Entwürfe, die du später auf deinen eigenen Lernblog stellen kannst.

Wenn du, deine Schule oder deine Unternehmung Unterstützung wünscht für das Starten mit Lernblogs oder für eine eigene Lernblog-Plattform, so kannst du dich gerne bei uns melden.

Nun wünsche ich viel Spass beim Bloggen…

Marco